Wesenstest für gefährliche Hunde
- Deutsche Dogge -
Foto: Spontane Anerkennung des Wesens von Jarina vom Gehrensee auf dem Tauentzien in Berlin.
Hundegesetz
Arbeitsgrundlage zum Thema Hund für die Berliner Behörden ist u.a. das
Berliner Hundegesetz. Es beinhaltet eine Rasseliste für gefährliche Hunde. Die Berliner Rasseliste wurde mit dem überarbeiteten,
neuen Hundegesetz reduziert.
Damit soll das Hundegesetz besser an die Realität angepasst werden. Darüber hinaus wird die
Eigenschaft "gefährlich" im Berliner Hundegesetz wie folgt formuliert:
- Eine über das natürliche Maß hinausgehende Kampfbereitschaft, Angriffslust, Schärfe u.ä.
- Hunde, die einen Menschen oder ein Tier durch Biss geschädigt haben, ohne selbst angegriffen oder dazu durch
Schläge oder in ähnlicher Weise provoziert worden zu sein, oder einen anderen Hund trotz dessen erkennbarer
artüblicher Unterwerfungsgestik gebissen haben
- Hunde, die durch ihr Verhalten gezeigt haben, dass sie unkontrolliert Wild oder andere Tiere hetzen oder reißen
- Hunde, die wiederholt Menschen gefährdet haben, ohne selbst angegriffen oder provoziert worden zu sein, oder wiederholt
Menschen in gefahrdrohender Weise angesprungen haben
Doggenvideo:
Urlaub mit Dogge im Ausland. In Deutschland wären solche Szenen sehr fragwürdig.
In Ländern mit einer anderen Medienlandschaft werden grosse Hunde
nicht unbedingt als Gefahr angesehen.
Was versteht man unter Gefahrenabwehr?
Nicht wenige unserer Mitmenschen fühlen sich hochgradig bedroht, wenn ihnen ein unangeleinter großer Hund entgegen kommt. Befindet sich Herrchen nicht direkt im Einflußbereich seines Hundes, kommt es nicht selten zur Anzeige bei den Ordnungsbehörden. Gleichzeitig wird alles sehr persönlich genommen. Mit anderen Worten: Es wird dramatisiert, ohne Ende. Der Bearbeiter der Anzeige ist natürlich um Klarheit bemüht und kann gar nicht anders als ein Gutachten eines Hundesachverständigen anzufordern.
Man kann unterscheiden in: Konkrete Gefahr, Abstrakte Gefahr, Gefahr in Verzug, Anscheinsgefahr, Putativgefahr, Dringende Gefahr, Gefahrenverdacht und Drohende Gefahr, Gegenwärtige Gefahr, Unmittelbare Gefahr, Erhebliche Gefahr, Gemeine Gefahr. Allein diese Aufzählung von möglichen Tatvorwürfen sollte jedem Hundehalter klar machen, dass eine Verteidigung ohne Fachanwalt kaum möglich ist. Hinzu kommt, dass der Anwalt noch ein Hundefreund sein sollte.
Es kommt in den meisten Fällen zu einem saftigen Bußgeld, da niemand an Stress interessiert ist, weil Doggenhalter ihre Dogge nicht im Griff haben.
Ob mit oder ohne Leine, unsere Mitmenschen müssen das Gefühl haben, dass wir als Doggenhalter in der Lage sind unsere Dogge zu kontrollieren. Zucht ist nur die halbe Miete. Es kommt auf Erziehung, Sozialisierung und Ausbildung an. Man sollte auch nicht alles glauben was geschäftstüchtige Züchter im Verkaufsgespräch so behaupten. Nicht jeder (Anfänger) ist als Hundeführer in der Öffentlichkeit für einen (ausgewachsenen) Doggenrüden geeignet.
Foto: Nino auf dem Brocken.
Durch die Inversionswetterlage war Nino nicht der einzige Hund auf dem Gipfel. Besonders unter winterlichen Bedingungen kommt es auf eine sehr gute Sozialisierung an. Ziehen and der Leine kann fatale Folgen haben. Wenn aber die Halter kleiner Hunde dem Großen Komplimente machen, dann war wirklich alles in Ordnung. Auch die Ticketkontrolleure der völlig überfüllten Brockenbahn waren sehr freundlich. Allerdings gab es einen Fahrgast, der der Meinung war, dass ich mit solch einen Hund eigentlich im Gepäckwagen fahren müsste. Ich erwähne das deshalb, weil es genau diese Leute sind, die den Haltern großer Hunde enorme Schwierigkeiten bereiten können. Das Problem dieses Mannes war allerdings, dass er mit dieser Meinung völlig alleine war.
Problematik
Dominanzverhalten (ohne und mit Körpereinsatz)
Der Aufbau einer Rudelordnung durch dominantes Verhalten
gehört zum normalen Sozialverhalten von Hunden. Auch die Deutsche Dogge bildet eine Rudelordnung auf der Basis von Dominanz oder Rangordnung auf. Die Grenze zwischen Dominanzverhalten und
gefährlichen, aggressiven Verhalten beginnt dort, wo aus der Klärung der Rangordnung ein Ernstkampf mit einer Verletzungsabsicht beginnt. Null-Hündinnenaggression: Großmutter "Hera" hilft im Alter von 9 Jahren bei der
Aufzucht eines 11er-Wurfes ihrer Tochter "Indra". Hinweis zum Doggenstandard Der Doggenstandard ist die "heilige Kuh" in der Doggenzucht. Trotzdem wird er von Zeit zu Zeit überarbeitet.
Die letzten nicht unwesentlichen Änderungen sind am 20.12.2012 in Kraft getreten.
Zum Beispiel wurde die besondere Kinderliebe der Deutschen Dogge herausgenommen. In der Formulierung des FCI-Standards: Wesenstest für gefährliche Hunde Sieht man sich den in Berlin üblichen Wesentest für gefährliche Hunde genauer an, so wird man feststellen, dass die alleinige Prüfung
der Unterordnung nicht Anliegen des Wesenstests ist. Mit Abstand die meisten Prüfungsschwerpunkte zielen auf das Sozialverhalten des Hundes ab.
Unter Dominanz wird folgendes verstanden:
Ein Hund (A) schränkt einen zweiten Hund (B) in seiner Bewegung ein.
Der selbstbewusste Hund kontrolliert, der schwächere Hund
akzeptiert die Dominanz und läßt sich kontrollieren.
Dominanzverhalten ist sehr unterschiedlich und vielfältig.
Es kann mit Querstellen beginnen und im Showkampf (Kommentkampf) enden.
Erst wenn Drohen in Beißen umschlägt, kann von aggressiven, gefährlichen Hunden gesprochen werden.
Was haben nun Deutsche Doggen mit gefährlichen Hunden zu tun?
Immerhin wird für die Deutsche Dogge mit der
Formulierung "sanfter Riese" geworben. Hierbei handelt es sich um eine Formulierung die nur einen Bereich des Wesens der Dogge beschreibt.
Die Deutsche Dogge ist und wird immer ein Hund bleiben, der (wie alle anderen) eine Rudelordnung aufbaut. Dabei kommt es nicht
darauf an diesen Prozess zu verhindern, sondern zu kontrollieren und in die richtigen Bahnen zu lenken.
Ein Problem sind
nicht die selbstbewussten Deutschen Doggen. Selbstbewusste Doggen beissen nicht. Fremde Hunde zeigen ohne Leine in der Regel Respekt.
Die Leinenaggression fremder Hunde ist ein spezielles Thema und generell ein Problem von Haltern die Hunde nicht sozialisieren und grundsätzlich anleinen. Kleine
Rassen, wie der Jack Russell Terrier, können enorm provozieren. Eine gut veranlagte und gut sozialisierte Dogge kann aber damit umgehen.
Das Problem sind ängstliche Doggen insbesondere aus Vermehrungszucht und Doggen die keine Erfahrungen machen konnten oder durften. Durch den Einfluß von Vermehrern, die sich Züchter nennen,
hat das Wesen der Deutschen Doggen eine negative Entwicklung genommen.
Als Züchter vom Gehrensee erwarte ich allerdings von meinen Zuchtdoggen, dass sie Schwimmen und im Berufsverkehr mit der Berliner S-Bahn
und U-Bahn kein Problem haben. Darüber hinaus ist es bei uns seit einigen Generationen Standard unsere Doggen nicht ausschliesslich in
Zwingern auf dem Grundstück zu halten, sondern regelmäßig im Hundauslaufgebiet die Leinen los zu machen um ein normales Sozialverhalten mit allen Rassen
zu gewährleisten. Eigene Erfahrungen mit einer zielgerichteten Genpoolerweiterung über 7 Generationen zeigen,
das es einen direkten Zusammenhang zwischen der Wesensstärke von Deutschen Doggen und deren genetischer Vielfalt gibt.
Darüber hinaus werden in unserer Zucht im höheren Welpenalter Wesenstest durchgeführt. Es geht nicht nur darum nervöse Doggen von der
Zucht auszuschließen, sondern auch Doggen mit einer zu hohen Reizschwelle zu erkennen und deren Verhalten genauer zu analysieren.
Ich teile die Meinung des Tierschutzes, dass die Deutsche Dogge durch Vermehrung in Verbindung mit jahrzehntelanger Inzucht in großen
Teilen der Population kein selbstsicherer, unerschrockener u. leichtführiger Begleithund mehr ist. Das beginnt mit banalen Dingen wie mit dem
Schwimmen und endet damit
das bei einigen Vertretern der Rasse unter Belastung die Devise gilt: "Angriff ist die beste Verteidigung".
Fehlgeprägte Deutsche Doggen mit schwachen Nerven denen die Sicherungen innerhalb von Sekunden durchbrennen, die
Spielarten von Über- u. Unterordnung nicht beherrschen und aus dem Stand einen Ernstkampf mit Verletzungsabsicht
(unter Umständen bis zum bitteren Ende) beginnen, sind mindestens genauso gefährlich wie einige amerikanische Listenhunde beschrieben werden.
Interessanterweise kann man Deutsche Doggen, die den unten beschriebenen Wesenstest niemals bestehen würden,
genau bei den Züchtern finden, von denen der Laie es niemals erwarten würde.
Schwachstellen dieser Deutschen Doggen sind u.a.: Aggressionsprobleme zwischen Rüde-Rüde, Hündin-Hündin und gegenüber fremden Personen.
Darüber hinaus gibt es Deutsche Doggen mit einem deutlich überzogenen
Territorialverhalten.
"VERHALTEN / CHARAKTER (WESEN): Freundlich, liebevoll und anhänglich gegenüber ihren Besitzern, besonders gegenüber den Kindern,
zurückhaltend gegenüber Fremden." wurde der mittlere Teil gestrichen.
Kommentieren möchte ich das nicht.
Das sollten die Verantwortlichen besser selbst tun.
Das heißt, eine schlecht sozialisierte Dogge kann den nachfolgend beschriebenen Wesenstest nicht bestehen. Will man keine
gefährliche Dogge an der Leine haben, so sollte die Sozialisierung besonders in der Junghundphase ein deutlicher Schwerpunkt
in der Erziehung sein. Unterordnung ist wichtig wenn es um Grundbegriffe wie "Leinenführigkeit" und "Rückrufübung" geht.
Eine Deutsche Dogge, die nur einen Hundeplatz kennt und von fremden Rassen fern gehalten wird, ist kaum in der Lage ein gesundes
Sozialverhalten gegenüber fremden Hunden zu entwickeln.
Zucht allein führt nicht zu einem problemlosen Sozialverhalten. Dieses muss entwickelt werden.
Ein vorzügliches Wesen
entwickelt sich nicht in der Isolation, sondern nur durch eine ständige Auseinandersetzung mit der Realität unter Leitung
eines starken Rudelführers.
Wesenstest für gefährliche Hunde (Berlin)
| Prüfungsschwerpunkte: | Überprüfung der Leinenführigkeit | |
| Überprüfung der Abrufbarkeit beim Lauf ohne Leine | ||
| Überprüfung der Abrufbarkeit beim Spiel mit dem Ball | ||
| Überprüfung: Spielen / Halter-Hund | ||
| Überprüfung der Reaktion auf fremde Personen | ||
| Hund ist allein u. angebunden: Überprüfung des Verhaltens gegenüber Fremden | ||
| Überprüfung der Reaktion auf ungewöhnliche Menschen (Behinderte mit Stützen o. im Rollstuhl) | ||
| Überprüfung der Reaktion auf eine Spielaufforderung durch fremde Personen. | ||
| Überprüfung der Reaktion auf Fremde in nicht berechenbaren Situationen (Herrchen stolpert) | ||
| Überprüfung der Reaktion auf Jogger | ||
| Überprüfung der Reaktion auf gleichgeschlechtliche Hunde (Rüde-Rüde / Hündin-Hündin) | ||
| Überprüfung der Reaktion auf Betrunkene | ||
| Überprüfung der Reaktion des Hundes beim Fassen über den Kopf und die Schnauze | ||
| Überprüfung der Reaktion im eng besetzten Fahrstuhl (Simulation) | ||
| Überprüfung der Reaktion beim Anfassen durch fremde Leute | ||
| Überprüfung der Reaktion auf knatternde Geräusche (Rasenmäher) | ||
| Überprüfung der Reaktion des Kontrollhundes vor pöbelnden Hunden | ||
| Überprüfung der Reaktion auf Fahrradfahrer | ||
| Überprüfung der Reaktion auf eine Bedrohung durch Fremde ohne Provokation | ||
| Überprüfung der Reaktion auf Bälle (Beuteorientierung) | ||
| Überprüfung der Reaktion auf Kinderwagen | ||
| Überprüfung der Reaktion auf provozierende fremde Personen | ||
| Überprüfung der Reaktion auf Besen, Staubsauger usw. | ||
| Überprüfung der Reaktion auf ein brennendes Feuerzeug (offenes Feuer) | ||
© by Günter Dießel / Nachdruck und Übernahme, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher
Genehmigung des Autors.
